Chronik des ASM-Bezirk 10, Mindelheim

Schon in frühen Zeiten zählte das Musizieren zu den liebsten Feierabendbeschäftigungen. Der überwiegende Teil der Dorfbewohner konnte ein Instrument spielen und so bildeten sich Gruppen oder Vereine, wie die Geschichte unzähliger Musikkapellen beweist. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Auswirkungen dieser Musikpflege durch den Zusammenschluss mehrerer Blaskapellen deutlich. Diesem "Allgäuer Musikbund" gehörten 1932 etwa 30 Musikkapellen an. Seit 1950 ist die Vereinigung unter dem Namen Allgäu-Schwäbischer Musikbund bekannt und umfasst das Gesamtgebiet des Regierungsbezirkes Schwaben.
Engelbert Schneider aus Türkheim war es, dem unser Bezirk seine Gründung zu verdanken hat. Bei den ersten Sondierungsgesprächen im Jahre 1950 interessierten sich an erster Stelle die Kapellen Oberneufnach, Kirchheim, Ettringen und Türkheim für einen Zusammenschluss. Das erste Bezirksmusikfest ein Jahr später in Türkheim wurde ein großartiges Ereignis, worauf sich immer mehr Kapellen dem Bezirk anschlossen. Im Jahr 1957 legte Engelbert Schneider sein Amt als Bezirksleiter aus gesundheitlichen Gründen nieder. Seine Nachfolge trat der Vorstand der Stadtkapelle Mindelheim, Alois Schlecker, an. Zu dieser Zeit gehörten bereits elf Kapellen dem Bezirk 10 des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes an. Nach dem Tod von Alois Schlecker im Jahr 1964 zählte man bereits 18 Mitgliedskapellen. Ein Jahr lang wurde der Bezirk 10 nun kommissarisch von Hermann Fischer aus Kirchheim geführt, bis 1965 dem Türkheimer Gottfried Riehm die Bezirksleitung übertragen wurde. Während seiner 17jährigen Amtszeit verdoppelte sich die Zahl der Mitgliedskapellen und die Bezirksmusikfeste erfreuten sich wachsender Beliebtheit und reger Teilnahme. Als Ereignis von besonderer Bedeutung kann das 14. Bundesmusikfest im Jahr 1981 in Mindelheim gesehen werden. Bei den Wertungsspielen nahmen 100 Kapellen aus dem In- und Ausland teil und 120 Blasorchester bildeten den Rahmen für einen großartigen Festzug. Gottfried Riehm konnte im Jahr 1982 seinem Nachfolger Lorenz Steidele aus Unterkammlach 44 Musikkapellen übergeben. Mit dem zahlenmäßigen Anstieg der Mitgliedskapellen veränderte sich im Lauf der Jahre auch das musikalische Niveau. Die Wertungsstücke wurden anspruchsvoller, die Ausbildung der jugendlichen Musiker - nicht zuletzt auch durch die inzwischen eingeführten Bläserkurse in Gold, Silber und Bronze des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes - wurde besser.
Im Jahr 1988 wurde Norbert Radmacher aus Wiedergeltingen - seit 1982 Mitglied der Bezirksvorstandschaft - bei der Bundesgeneralversammlung in Füssen zum stellvertretenden Präsidenten gewählt.
Lorenz Steidele kandidierte im Jahr 1991 aus Altersgründen nicht mehr. Seine Nachfolge trat Willi Preschl, langjähriger Vorsitzender der Musikkapelle Breitenbrunn, an. Er war damals bereits seit sechs Jahren Mitglied der Bezirksvorstandschaft.
In seiner Amtszeit gründete Bezirksdirigent Max Pfluger im Jahre 1993 das Bezirksjugendblasorchester (BJBO). Maria Schuster (Bezirksjugendleiterin) hat das Ganze von 1997 bis 2000 forciert und gewaltig aufgebaut, von 2001 bis 2003 betreute Stefan Wörz in seiner unnachahmlichen Weise die alljährlich ca. 100 jungen Musikerinnen und Musiker aus dem Altlandkreis Mindelheim und seit Frühjahr 2004 steht Hubert Fröhlich an der Spitze des BJBO. Immer in den Herbstferien findet eine Probenwoche mit namhaften Dozenten statt. Das Erarbeitete wird dann der Öffentlichkeit in einem Gala-Konzert präsentiert. Ziel des BJBO war und ist es, den Gemeinschaftsgeist unter den Jugendlichen zu fördern, mal über den Tellerrand zu schauen, neue Stücke oder auch andere Probetechniken kennen zu lernen. An dieser Stelle sei allen Förderern, ohne die das BJBO nicht möglich wäre, für die Unterstützung gedankt. Insbesondere dem Landkreis für die finanziellen Zuwendungen.
Seit dem Eintritt von Andreas Schuster in die Bezirksvorstandschaft erscheint nun in regelmäßigen Abständen das bezirkseigene Medium "Blechbätscher", das sich bei den Kapellen und Musiker/innen höchster Beliebtheit erfreut. Diese Zeitung ist nur auf Grund regelmäßigen Sponsorings und hohem persönlichen Einsatz möglich. Bei der Generalversammlung des Bezirkes 10 im März 2000, wurde Hannes Heinlein aus Türkheim das Amt des Bezirksvorsitzenden übertragen.
Im Jahr 2000 ging der Bezirk 10 erstmals unter www.asm10.de online. Helmut Schafnitzl kreierte die erste Homepage, Hannes Heinlein pflegte sie weiter und seit Januar 2004 bringt Helmut Moser aus Pfaffenhausen neues Leben in den bezirkseigenen Internetauftritt. Im Jahr 2000 konnte der Bezirk 10 seinen 50. Geburtstag feiern. Mit inzwischen 1950 aktiven Mitgliedern in 44 Vereinen und 3900 fördernden Mitgliedern zählt er zu einer der tragenden Säulen des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes, was uns zeigt, dass die Musik als Sprache des Herzens die unterschiedlichsten Menschen verbindet.
Roland Daufratshofer ist seit März 2001 Bezirksjugendleiter und baute das Kurswesen bedeutend aus. 2005 trat Michaela Martin sehr erfolgreich in seine Fußstapfen. Nachdem die Bereitschaft der Vereine Bezirksmusikfeste auszurichten immer weiter zurückgegangen ist, hat die Bezirksvorstandschaft 2001 beschlossen, zumindest jedes Jahr ein Wertungsspiel abzuhalten und das in "offener Wertung". Erstmals wurde es 2002 in Türkheim in diesem neuen Modus höchst erfolgreich durchgeführt, es folgte 2003 Wiedergeltingen und 2004 Tussenhausen!
Nach dem überraschenden Rücktritt von Hannes Heinlein als Bezirksvorsitzender zum 31.12.2003 leitet Andreas Schuster aus Westernach den Bezirk 10. Unter der neuen Führung wuchs auch wieder die Bereitschaft der Musikvereine Bezirksmusikfeste zu veranstalten, ab dem Jahr 2005 sogar wieder regelmäßig und zwar 2005 in Dirlewang, 2006 in Pfaffenhausen, 2007 in Mindelheim, 2008 in Kirchdorf und 2009 in Stetten. Auch neue Art Wertungsspiele zu veranstalten, als eigenständige Veranstaltung in offener Wertung, gewinnt immer mehr Freunde, die Teilnehmerzahlen (2005 Dirlewang 27 Kapellen, 2006 Pfaffenhausen 45 Kapellen, 2007 Mindelheim 29 Kapellen, 2008 Kirchdorf 33 Kapellen und 2009 Stetten 40 Kapellen) steigen und die Veranstaltungssäle werden langsam fast zu klein!
Erstmalig wurde beim Musikfest 2005 in Dirlewang ein Marschmusikwettbewerb vor dem Gesamtchor durchgeführt und das mit großem Erfolg und 27 teilnehmenden Kapellen. Diese Veranstaltung gab den Anstoß für viele Kapellen sich dem Thema Marschmusik intensiver zu widmen was dazu geführt hat, dass nun jedes Jahr so ein Marschmusikwettbewerb stattfindet und dass sich bis zum Jahr 2009 sogar Kapellen trauen in den Schwierigkeitsstufen C und D anzutreten. Allgemein hat sich durch diese Veranstaltung das Erscheinungsbild der einzelnen Kapellen in der Öffentlichkeit deutlich gesteigert.
Das Bezirksjugendblasorchester BJBO wuchs in den ersten Jahren dieses Jahrtausends ganz gewaltig, so dass man aus logistischen Gründen regelmäßig Teilnehmern absagen musste, deshalb hat sich die Bezirksvorstandschaft kurzfristig dazu entschlossen ein zweites überregionales Jugendorchester auf die Beine zu stellen, das BJBO-Youngstars. Es ist für die Jungen zwischen 11 und 15 Jahren. Dieses Modell erwies sich bereits im ersten Jahr 2006/2007 als Volltreffer, nahmen doch schon beim ersten Mal annähernd 80 Jugendliche dieses Angebot war. Unter der organisatorischen Leitung von Gitte Wißmiller aus Apfeltrach ist heute dieses Orchester im Ablauf eines musikalischen Jahres nicht mehr wegzudenken. Und weil man schon dabei war, sehr kreativ zu sein, gründete der Bezirk Anfang 2007 auch noch ein überregionales Orchester für die Senioren (Konzept: Martin Jall), das BOBO (BezirksOldieBlasOrchester). Die Bedingungen sind ganz einfach, mindestens 50 Jahre alt oder 40 Jahre aktiv in einem Orchester. Das Jahresprogramm beinhaltet ca. 10 gemeinsame Proben und ca. 4 Auftritte (Bezirksmusikfestnachmittag, Kurkonzert, Benefizkonzert). Mitgliederstand 2009 55 Musiker, musikalische Chefs Martin Jall und Tom Liebchen, dies ist die pflegeleichteste Institution des Bezirk 10.
Inzwischen hat die Vorstandschaft auch erkannt, dass es wichtig ist, die einzelnen Vorstände in den Vereinen zu schulen bzw. ihnen in ihrem schwierigen Amt Unterstützung und wichtige Informationen zu geben, deshalb gibt es seit Frühjahr 2008 regelmäßig einmal im Jahr ein Seminar für die Vorstände. Hierbei werden unter anderem Themen wie Arbeitsplatzbeschreibungen für die einzelnen Vorstandsposten in den Vereinen, Vereinsrecht, Steuerrecht, Finanzpolitik, Veranstaltungen der Zukunft, Rhetorik, usw. behandelt und es stellt sich heraus, dass hier sehr viel Bedarf da ist!
Im Jahr 2008 hat der Bezirk 10 erstmals in seiner Geschichte über 2000 aktive Mitglieder in 44 Vereinen.